Graphis Nachhaltig Wohnsiedlung, Zofingen CH

Wettbewerb 2009,  4. Rang

 

Projektbeschrieb

Um eine nachhaltige Quartiersentwicklung erfolgreich zu planen, ist es notwendig ein Gleichgewicht aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Parametern herzustellen, welche sich gegenseitig beeinflussen. Zofingen mit seiner ländlichen Struktur soll an der Mühlegasse und Rotfarbstrasse neu entwickelt werden. Eine Gettoisierung mit stadtagglomerationsähnlichen Strukturen, wie im Südwesten von Zofingen in Autobahnnähe bereits geschehen, soll vermieden werden. Um dies zu erreichen wird eine flache Bauform mit direktem Aussen- und Bodenbezug gewählt. Das Erschliessungskonzept folgt konsequent diesem gesetzten Ziel.

Die neue Siedlung nutzt die Stadtebene für alle öffentlichen und halböffentlichen Nutzungen. Entlang der Rotfarbstrasse und des Kanalwegs finden sowohl alle Fahrzeuge der Bewohner und ihrer Gäste als auch Baumreihen aus Purpur-Erlen (Alnus Spaethii) Platz. Durch die oberirdische Parkierung entsteht eine wesentlich höhere soziale Bindung an das Umfeld, da die Zugänglichkeit zum Haus, nicht wie in einer Tiefgarage, über eine unterirdische Verkehrsebene gelöst wird, sondern Begegnungen mit Nachbarn im normalen Lebensraum stattfinden. Der ökologische und ökonomische Vorteil liegen auf der Hand. Es kommt nur zu minimalen Massenverschiebungen und Versiegelung des Erdreichs. Die enormen Kosten einer Tiefgarage entfallen.

Zwischen den Blöcken 1 bis 3 liegen ruhige Wohnhöfe. Sie übernehmen nicht nur die Erschliessung der Wohnungen. Hier befinden sich kleine Abstellräume sowie Hartflächen für das wohnungsnahe Spiel der ganz Kleinen. Als Belag kommt mit hellem Granitsplitt veredelter Gussasphalt zum Einsatz, der trotz voller Belastbarkeit ein freundliches Ambiente verbreitet. Die grünen Privatbereiche entlang der Fassaden schaffen Spielraum für individuelle Gestaltung und somit eine angenehm wohnliche Atmosphäre. Auf der Ostseite des Blocks 4 können für die Erdgeschosswohnungen grössere Gartenbereiche für die private Nutzung angeboten werden. Die südexponierten Flächen der Siedlung wurden bewusst für die Nutzung durch die ganze Mietergemeinschaft frei gespielt. An den Block 3 schliesst eine Spielwiese an. Südlich von Block 4 entsteht ein gut besonnter chaussierter Gemeinschaftsplatz, der mit langen robusten Holzbänken für gemeinsame Feiern, mit Grillstellen und einem Kinderspielplatz ausgestattet ist.

 

Zwei Linden (Tilia cordata) sorgen hier für kühlenden Schutz an heissen Sommertagen. In diesem Quartier schlagen nicht nur Gras, Büsche und Bäume ihre Wurzeln auf gewachsenem Boden, auch die Bewohner sind in ihrem Quartier verwurzelt, identifizieren sich mit Zofingen, nutzen ihr Heim für ihre persönliche Entfaltung und kennen sich gegenseitig. Es entsteht über Generationen hinweg eine hohe soziale Nachhaltigkeit, mit positiven ökonomischen Folgen für den Investor, sowie für die Gemeinde.

Die flache Bauweise bietet die Möglichkeit für einen sehr kostengünstigen und ökologischen Vollholzbau. Dies erleichtert auch die Konstruktion einer energieeffizienten Gebäudehülle. Als Schallschutz werden Holz-Beton-Verbunddecken eingesetzt. Trotz relativ kleiner Bauvolumen lassen sich Minergie-P-ECO Standard und Kosteneffizienz gut vereinen. Die vorvergraute Lärchenschalung gibt der Überbauung eine warme, einladende Wohnatmosphäre. Die Fenster werden durch die kräftigen Leibungen und den Holz-Faltläden akzentuiert. Dem Ziel der sozialen Nachhaltigkeit folgend werden trotz effizientem Gebäuderaster sehr unterschiedliche Wohnformen angeboten, von der kleinen Einliegerwohnung, der effizienten Etagenwohnung bis zur grosszügigen Maisonettewohnung. Dem Schweizer liebste Wohnform, das „Hüsli mit Garten“ bildet die Grundidee der Wohnüberbauung.

Die individuellen Eingänge, das Durchwohnen mit der Küche als Drehscheibe, die Wohnerweiterung durch die Terrassen zum Garten und die Vielzahl von Maisonettewohnungen mit Dachterrassen bieten höchsten Wohnkomfort. Das gewählte Raster mit Wohn- und Schlafachsen lassen durch zu- und wegschalten von Schlafzimmern jeden gewünschten Wohnungsmix von der Zweieinhalb- bis zur Fünfeinhalb-Zimmerwohnung zu. Die Nasszellen mit integriertem Wäscheturm liegen in einer innenliegenden Kernschicht, so werden die Fassaden für die Wohn-, Ess- und Schlafräume frei gespielt. Die Bauvolumen sind minimal unterkellert. Erschlossen werden die Kellerräume durch die Treppenvolumen, die gleichzeitig den Aussenraum gliedern. Eine jeweilige Aussentreppe zum Untergeschoss gibt die Möglichkeit eines direkten Zugangs mit Velos.